Über die Elastizität von Zeit

Enoch im WinterBisher bin ich von einem Zeitsystem ins andere gereist, habe gestaunt, mich angeglichen, bin zeitweilig gescheitert und konnte es doch genießen: die ernorme Elastizität von Zeit in Afrika.

Der speziellen Zeit in Afrika haben Wissenschafter einen Namen gegeben: "Ereigniszeit". So heißt es, wenn Beginn und Ende einer Handlung nicht von der Uhr, sondern von der Tätigkeit bestimmt werden. Ein Gespräch dauert so lange, wie die Gesprächspartner benötigen, um das Thema abzuhandeln; eine Geschäftsabwicklung dauert so lange, bis alle Geschäftspartner zufrieden sind. Bei allen Handlungen stehen die Menschen und ihre Bedürfnisse im Vordergrund und nicht der Takt der Uhr. Busse fahren dann ab, wenn sie voll sind. Und wenn es regnet, fallen ohnedies alle Zeitpläne ins Wasser.

Bisher bin ich gependelt und habe dadurch gewählt, in welchem Zeitsystem ich mich bewege. Jetzt ist Enoch da und zeigt mir mit seinen kritischen Fragen die Grenzen unserer durchgetakteten Suche nach Glück auf. Schon nach wenigen Tagen hat er erstaunt ausgerufen: "Ihr habt ja nie Zeit!" So sehr seine Kritik auch schmerzt, wenn er an "unserer Wahrheit" rüttelt, so sehr bin ich froh, dass er seine Zeit-Elastizität mitgebracht hat. Was für ein bereicherndes Regulativ in unserer hektischen und umtriebigen Zeit – gerade im Advent!

 

 

Lady Betty

Betty IIBetty IIIAus Betty wird jetzt eine richtige Lady! In ihrer Friseursausbildung kann sie sich austoben und zeigt uns mit Vergnügen ihre Wandlungen. Neben Haarpflege lernt sie in der Berufsschule auch Maniküre und Pediküre – schön, dass sie in der Ausbildung so richtig aufblüht!

Queen of Katwe

Queen_of_Katwe_poster"Can you do big things from such a small place? – Why not?"

So beginnt der Dialog im Trailer des neuen Films von Mira Nair "Queen of Katwe". Ein Mädchen aus den Slums von Uganda erhebt sich aus der Armut, weil sie durch das Schachspielen erlebt, dass sie mit ihrem Geist und ihrer Willensstärke ihr Leben in die Hand nehmen und verändern kann. Based on a true Story erzählt die indische Regisseurin ("Salaam Bombay") die Geschichte von Phiona Mutesi aus Kampala.

Es ist zwar eine Walt-Disney-Produktion, aber der Trailer zeigt schon: Die Szenerie ist authentisch und zeigt viel Wahrheit über Uganda. Mir sind schon beim Trailer die Tränen gekommen – ich habe ja alle unsere Schützlinge in den Slums von Nateete kennengelernt und dort sieht es so aus wie im Film der Slum von Katwe.

https://youtu.be/z4l3-_yub5A

Es gibt auch eine zehnminütige Dokumentation über die echte Phiona Mutesi:

https://youtu.be/E6yMgeYUWUE

Filmstart für die USA ist September 2016 – es ist noch offen, wann der Film in die heimischen Kinos kommt!

Sommerfest bei da-ka

Sebastian Wilken und Karl Dampier mit Stargast Peter Rapp (Foto: Karl Juris)
Sebastian Wilken und Karl Dampier mit Stargast Peter Rapp (Foto: Karl Juris)
Am 17. Juni 2016 fand bei der da-ka Hausbetreuung GmbH das alljährliche Sommerfest statt. Jedes Jahr gibt es eine Tombola, deren Einnahmen für einen sozialen Zweck gespendet werden. Dieses Jahr hatte ich die Ehre, dass mein Projekt "Schüler schultern in Uganda" ausgewählt wurde und ich die Spenden entgegennehmen durfte! Vielen Dank an alle Besucherinnen und Besucher des Festes, die so großzügig gespendet haben, sowie an Sebastian Wilken und Karl Dampier von da-ka, die den Betrag darüberhinaus aufgerundet haben!

Es war ein buntes Sommerfest mit Livemusik, einer Bilderausstellung und einem tollen Buffet, zu dem auch die Bewohner des benachbarten Hauses "Primavesigasse" mit vorwiegend syrischen und iranischen selbstgebackenen Süßspeisen beitrugen! Moderiert wurde das Fest von der überaus charmanten Sonja Kato-Mailath-Pokorny. 

Fotos und ein Video gibt es im Online-Magazin Donaustadt von Karl Juris hier: http://www.magazin-donaustadt.at/

Drei intensive Wochen

Drei schöne, intensive Wochen Uganda liegen wieder hinter mir! Auf der To-do-Liste standen die Eintragung meines Hauses im Grundbuch des Königs von Buganda, der Schulbeginn zum zweiten Trimester, die Unterbringung Bettys in einer Ausbildung zur Friseurin, die Aufnahme eines neuen Mitglieds im Projekt und als poppiger Höhepunkt der Videodreh für Shafics Song "Nfa"!

King Viero Nfa

Ich danke allen, die zum Gelingen des Projektes "Schüler schultern in Uganda" beitragen, und werde an dieser Stelle peu à peu die Neuigkeiten schildern.

A bientôt!

Eure Petra

Unser jüngster Clou: Der Sommerhit aus Afrika!


King Viero NfaNfa mit HenryDie TänzerHarriet und ich tanzenDieses Mal ist uns ein besonderer Clou gelungen! Wir haben ein Video gedreht, und zwar mit King Vieros Song "Nfa"! 

King Viero, das ist Shafic. Er hat nun schon seinen zweiten Song geschrieben und während meines Juni-Aufenthaltes in Uganda haben wir uns einen Profi geleistet, der daraus ein Video gedreht hat. Mit dabei sind King Vieros Freunde, die "Tugakonelawa Dancers" ("Where can we dance?"), Harriet, Henry und sogar ich!

Hier ist der Link zum Video auf YouTube: Nfa von King Viero

 

 

 

Panama Papers – die taz ergänzt

KAMPALA taz | Das Drama um die zu zahlenden Steuern von Seiten der Ölgiganten ist so alt, wie der Ölfund in Uganda selbst. Dennoch liefern die sogenannten Panama Papers jetzt neue Beweise: Die Ölfirma Heritage Oil, gelistet an der Londoner Börse, hat ganz gezielt versucht, einer Kapitalertragssteuer auszuweichen, die Ugandas Steuerbehörde gegenüber der Firma geltend machte – und hat dafür ihren Sitz von den Bahamas nach Mauritius verlegt. Mit dem Inselstaat im indischen Ozean hat das kleine ostafrikanische Land ein Abkommen, das Investoren Steuern erleichtert, wenn sie in Uganda Geschäfte machen.

Um über 400 Millionen Dollar soll Heritage demnach das arme afrikanische Land betrogen haben – so jetzt der Skandal. Immerhin: Das sind rund 10 Prozent des ugandischen jährlichen Staatshaushalts. Mit diesen Einnahmen hätten in Uganda Schulen und Krankenhäuser gebaut werden können, so das Argument – doch so einfach ist es nicht.

Uganda steckt im Ölgeschäft noch in den Kinderschuhen. Seitdem die ersten Vorkommen 2006 im Albertinen-Graben entlang der Grenze zu DR Kongo entdeckt wurden, erhofft sich die Regierung einen schwarzen Geldsegen für die chronisch leere Staatskasse. Doch der blieb bislang aus: auch und vor allem wegen den ungeklärten Steuerfragen. Uganda verfolgte in seiner Ölpolitik ein Trial-und-Error-Verfahren. Das haben internationale Ölkonzerne gar nicht gerne, denn sie planen langfristig.

Um den höchsten Ertrag aus der Ölgewinnung zu erzielen, so das Argument der Regierung, erhob Uganda Stück für Stück immer mehr Steuerforderungen gegenüber den ausländischen Ölinvestoren, meist im Nachhinein, nachdem sämtliche Verträge unterzeichnet waren. So auch die 30-prozentige Kapitalertragssteuer gegenüber Heritage als die Firma 2010 seine Erkundungsrechte an Tullow für 1,45 Milliarden Dollar verkaufte, um aus dem ugandischen Markt auszusteigen.

Knatsch mit Ölfirmen

Es kam zum Knatsch zwischen den beiden Ölfirmen und Ugandas Regierung. Von einer solchen Steuer sei keine Rede gewesen als die Erkundungslizenzen an die internationalen Firmen einst vergeben worden waren, so Heritages Argument. Noch dazu sei der Verkaufsvertrag auf einer Insel im Kanal entlang der französischen Küste unterzeichnet worden, also außerhalb Ugandas. Zudem sei Heritage keine ugandische Firma. Ugandas Regierung widersprach.

Seitdem liegt Ugandas Ölsektor brach, weil sämtliche Akteure in komplizierten und langwierigen Gerichtsverfahren verfangen waren. Uganda und Heritage stritten sich jahrelang vor dem Londoner Schiedsgericht um die ausstehende Zahlung der rund 400 Millionen Kapitalertragssteuer. 2011 eröffnete auch Ugandas Steuergericht ein Verfahren, verurteilte Heritage zur Zahlung. Heritage und Tullow stritten sich ebenfalls vor einem Londoner Gericht darum, wer nun die Steuer auf die Verkaufssumme zahlen muss.

Uganda verweigerte währenddessen Tullow, mit seinen Erkundungen fortzufahren, solange der Steuerstreit nicht gelöst sei. Daraufhin verkaufte Tullow den Großteil seiner Erkundungsrechte entnervt an die chinesische Firma CNOOC sowie den französischen Ölkonzern Total. Die Kapitalertragssteuer auf diesen Verkauf entsprach ungefähr einem Drittel des ugandischen jährlichen Staatshaushalts – eine gigantische Summe. Tullow ging gegen diese Forderungen ebenfalls wieder vor Gericht.

Es dauerte Jahre, bis die Verfahren alle ausgefochten waren. Tullow und Ugandas Regierung einigten sich 2015 irgendwo in der Mitte. Heritage verlor sein Verfahren gegen Uganda vor dem internationalen UN-Handelsgericht und musste letztlich die Steuer abführen.

Sieg für Uganda?

Ein Sieg für das arme Uganda? Nicht wirklich. Ugandas Regierung rechnet schon seit Jahren mit der Ausbeute der Ölressourcen und dem damit einhergehenden Geldsegen. Aufgrund der Streitereien lag der ganze Ölsektor jahrelang brach, anderen Firmen wurden damit verschreckt, stiegen erst gar nicht ein oder zogen aus Uganda wieder ab. Noch immer fließt kein Tropfen Öl, der Bau von Raffinerien und Pipelines verzögerte sich um Jahre. Frühestens 2020 wird das erste Öl fließen, verkündete Tullow jüngst, drei Jahre später als von Uganda geplant.

Ob ohne Heritages Vermeidungsstrategie in diesen vergangenen Jahren mehr Schulen und Krankenhäuser gebaut worden wären – bleibt ebenfalls fraglich. Uganda fällt im globalen Korruptionsindex jährlich um mehrere Plätze zurück, lag 2015 auf Platz 139 von 168. Analysten befürchten, dass die Korruption unmittelbar in die Höhe schnallt, sobald der erste Tropfen Öl fließt. Ob damit dann der armen Bevölkerung gedient ist – muss sich zeigen.

Den Artikel schrieb Simone Schlindwein am 5.4.2016 in der taz.

Panama Papers / Uganda

Wie Mossack Fonseca mit ihrem Rat bei Firmensitzverlegungen dazu beiträgt, Steuern zu "sparen", zeigt ein Beispiel aus Uganda (ich zitiere aus dem "Falter" vom 3.4.2016: "Die große Offshore-Schau" von Florian Klenk und Josef Redl):

"Exemplarisch ist der Fall Heritage Oil. Diese Gesellschaft mit Sitz auf der Kanalinsel Jersey verkaufte im Jahr 2010 Ölfelder in Uganda um 1,45 Milliarden Dollar an die britische Ölgesellschaft Tullow Oil. Um der Kapitalertragsteuer in Uganda zu entgehen, wurde die betroffene Tochtergesellschaft wenige Tage vor dem Deal unter Assistenz von Mossfon einfach nach Mauritius überschrieben, wie die MF-Daten zeigen. Mauritius hat als eines der wenigen Länder ein Doppelbesteuerungsabkommen mit Uganda. Damit wurden dem bettelarmen afrikanischen Staat 300 Millionen Dollar Steuergeld entzogen. Geld, das in Uganda für den Bau von Krankenhäusern und Schulen dringend gebraucht worden wäre. In den Spitälern des rohstoffreichen Landes müssen die Patienten das Verbandsmaterial und sterile Tupfer selbst mitnehmen."

 

Back to business

Die Wahlen in Uganda sind geschlagen, Museveni ist zum sechsten Mal Präsident, auf den Straßen wird es wieder ruhig, das Schuljahr hat begonnen … back to business in Uganda. Enoch schickt erfreuliche Nachrichten von seiner Farm, die wir letztes Jahr dank der großzügigen Unterstützung der Wiener Hausreinigungsfirma "da-ka" starten konnten: Der Cassava ist reif und konnte geerntet werden! Mit einem Händler und dessen Lorry ist er zu seinen Feldern gefahren, hat mit einem Erntehelfer den Cassava ausgegraben, verladen und ist damit zurück nach Kampala, wo der Händler die Ernte verkauft. Cassava ist eine sehr stärkehältige Wurzel – auch bekannt als Maniok -, die ähnlich einer Kartoffel verarbeitet wird. (Am besten schmeckt mir Cassava in dicke Stifte geschnitten und in Öl frittiert, dazu Omelette und eine frische Avocado! Mmmh!)

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